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Pressebrichte & Bilder

 

Die Willinger Weltcup-Küche ist ein Rummelplatz

Von den ersten Fritteusen bis zur mobilen Großküche: Arnd Rummel kocht aus Verbundenheit zum Skisport seit 15 Jahren am Mühlenkopf.

Schrinner & SchmidtArnd Rummel (rechts) steht seit 15 Jahren in der Willinger Skisprung-Küche, um den Hunger der Massen (unten) zu stillen. Beim Weltcup 2008 kommt an der Mühlenkopfschanze erstmals seine mobile Großküche zum Einsatz. (Fotos: nv/Archiv)

WILLINGEN. Die Fritteusen laufen auf Hochtouren, werfen Korb für Korb knusprige Fritten aus. Zugleich durchströmt Fettgeruch das kleine Festzelt am Fuße der Willinger Mühlenkopfschanze. „Den Geruch habe ich noch heute in der Nase“, blickt Arnd Rummel lächelnd auf seine Anfänge als Verpflegungsverantwortlicher – neudeutsch Catering-chef – des Ski-Clubs Willingen zurück. Genau dort, wo an diesem Wochenende die Weltcup-VIPs dinieren, schuftete der gelernte Koch 1994, beim letzten Europacup-Skispringen vor der Weltcup-Premiere, mit vielen fleißigen Helfern, um den Hunger von Skisprungfans und Ehrengästen zu stillen.

Mit dem Verein verbunden

„Von 1993 bis 1997 gehörte ich dem erweiterten Vorstand des Vereins an und war für das Catering zuständig“, berichtet der Willinger, der schon im Kindesalter als Skilangläufer und alpiner Rennfahrer die Farben des SCW vertreten hat. Seit dieser Zeit ist der leidenschaftliche Skifahrer, dessen Familie die Skilifte am Ritzhagen und am Sonnenhang betreibt, immer, wenn es der Beruf erlaubt, an der Schanze im Strycktal zur Stelle. „Zunächst war ich beim Tretkommando dabei“, erläutert Rummel, der seine Motivation bis heute mit der Verbundenheit zum Wintersport begründet. So verwöhnte er den Skiclubnachwuchs bei Trainingslagern in Schweden Ende der Neunzigerjahre auch schon einmal gern mit seinen Kochkünsten. 2006 lud er die jüngsten Aktiven ins Café Aufwind ein, um ihnen Rezepte für gesunden Genuss zu präsentieren.Den Fritteusen, Pfannen und Grill-rosten am Mühlenkopf widmet sich der Upländer seit seiner Anstellung bei den Korbacher Großküchenspezialisten „Schrinner & Schmidt“ Anfang der Neunzigerjahre. „1992 habe ich am Forstweg, also dort, wo heute das Café Aufwind steht, erstmals gegrillt“, erinnert sich der 42-Jährige, der bisher jede Willinger Skisprung-Küche zum Rummelplatz gemacht hat.

Herausforderung Weltcup

Als der Internationale Skiverband (FIS) Willingen am 9. Juni 1994 mit der Ausrichtung des ersten Weltcups beauftragt, bricht für das „Team Bewirtung“ allerdings eine neue Zeitrechnung an: Bis zur Premiere am 7. und 8. Januar 1995 bleiben 212 Tage, um alle Zu-taten für die erfolgreiche Bewirtung von Fest- und VIP-Zelt, Grill- und Getränke-ständen im Stadion sowie Verpflegung von Springern, Journalisten und Helfern zusammenzubekommen. Und eins steht fest: Mit ein paar Friteusen ist es nicht mehr getan. Premiere für mobile Großküche

„Die besondere Herausforderung war, eine reibungslose Logistik zu gewährleisten“, betont der Küchen-Fachmann. Jede Zuleitung, jeder Abfluss musste genau geplant sein. „Monatelang haben wir uns jede Woche mindestens zu einer Sitzung getroffen und direkt vor dem ersten Weltcup habe ich mir drei Wochen Urlaub genommen.“ Gemeinsam mit Partnern wie Gerlinde Scriba, Uwe Ziemann, Andreas Kruk, Heinz-Dieter Volkenrath, Friedrich Meyer, Jörg Virnich, Thomas Vonhoff, Dirk Bäringhausen, Meike Trögeler, Mirko Behle und Heiner Göbel (Logistik) sowie Hunderten Helfern hat Rummel seitdem mehrere Hunderttausend Weltcup-Gäste mit köstlichen Speisen und Getränken versorgt. „Aus beruflichen Gründen trete ich heute aber kürzer und bin normaler Helfer in der Festzelt-Küche.“

Wenn es darum geht, am Bewirtungskonzept zu feilen, steht der Küchen-Fachmann – seit 2001 ist er Geschäftsführer und Mitinhaber bei „Schrinner & Schmidt“ – aber natürlich jederzeit gern mit Rat und Tat zur Seite. So kommt auch die neueste Errungenschaft beim Weltcup 2008 aus Korbach: ein silberner Container, in dem sich eine komplette Profiküche mit Gasherd, variablem Kochcenter, Dämpfer, Kühlschrank, Spülmaschine, Waschbecken und Arbeitstisch verbirgt, Versorgungsleitungen und Abluftanlage inklusive. „Diese ,mobile Großküche‘ haben wir selbst entwickelt“, berichtet Rummel stolz. „Sie ist beim Weltcup erstmals im Einsatz, direkt neben dem Partnerzelt des Deutschen Skiverbandes. “60000 Euro haben die Korbacher allein in den Container investiert. Hinzu kommen die Geräte, die je nach Einsatzort – denkbar sind zum Beispiel Messen, Bankette und Großveranstaltungen jeder Art – variiert werden können. Ob als Großküche auf kleinem Raum oder als Verkaufswagen – unter dem Motto „aufschließen und loslegen“ bieten sich (Weltcup-)Köchen ungeahnte Möglichkeiten.

„Die Küche ist von der Gewerbeaufsicht abgenommen“, fügt Rummel hinzu. Darüber hinaus habe sein Geschäftspartner Jörn Figge (Schwalefeld), der beim Weltcup ebenfalls ehrenamtlich engagiert ist, technisch an alles gedacht: Hydraulik und integrierte Versorgungsleitungen garantieren selbst in unwegsamem Gelände wie in Willingen einen unkomplizierten Aufbau.

„Authentisch bleiben“

Je moderner die Technik, umso be-wusster ist Arnd Rummel jedoch eins: „Wir haben immer alles getan, damit sich jeder bei uns in Willingen wohlfühlt, und dieses persönliche Engagement ist keine Frage des Geldes“, betont er. „Die Verbundenheit zum Skisport kann man nicht kaufen und schon gar nicht bezahlen. Um weiterhin Erfolg zu haben, müssen wir aber authentisch bleiben“, plädiert der Wintersportfan dafür, sich auf die Wurzeln des „Weltcup-Wahnsinns Willingen“ zu besinnen: die Förderung des Skisports (siehe Gesagt).

 

„Meine Hauptmotivation für die Arbeit am Mühlenkopf ziehe ich immer noch aus dem Grundgedanken, den wir hatten, als wir uns für die Weltcup-Ausrichtung entschieden haben: eine gute Basis für unseren Skiclubnachwuchs zu legen.“Arnd Rummel 2004 in der WLZ-FZ-Rubrik „Mein Weltcup“.